Richtfunk einfach erklärt
Stellen Sie sich Richtfunk als Netzwerkkabel vor, das durch die Luft gespannt ist. An beiden Enden der Strecke hängt eine Antenne mit Funkeinheit, etwa auf dem Dach, an einer Fassade oder an einem Mast. Die Antennen bündeln ihre Funkwellen zu einem schmalen Strahl und senden ihn genau auf die Gegenstelle. Darin liegt der Unterschied zu WLAN oder Mobilfunk, die ihr Signal breit in die Umgebung abstrahlen.
Im Gebäude führt ein Kabel von der Funkeinheit zum Switch. Im Firmennetz fällt der Funkabschnitt danach nicht weiter auf: Rechner am einen Ende erreichen Server, Telefonanlage oder Internetzugang am anderen. Weil die Daten direkt von Antenne zu Antenne laufen, nehmen sie keinen Umweg über fremde Netze, und die Verzögerung bleibt gering.
Wovon Reichweite und Datenrate abhängen
Ob eine Strecke funktioniert und wie viel sie überträgt, entscheiden vor allem vier Punkte:
- Freie Sicht: Zwischen den Antennen dürfen weder Gebäude noch Hügel oder Bäume stehen, und auch der Raum rund um die gedachte Verbindungslinie sollte frei bleiben. Bäume wachsen, und auf brachliegenden Grundstücken entstehen Hallen; beides gehört in die Planung.
- Frequenz: Je höher die Frequenz, desto mehr Daten passen durch die Strecke. Im Gegenzug schrumpft die sinnvolle Entfernung, und Regen schwächt das Signal stärker. Für weite Distanzen eignen sich tiefere Bereiche.
- Montagepunkte: Die Antennen brauchen einen steifen, festen Halt. Gibt eine Halterung im Sturm nach, wandert der schmale Strahl von der Gegenstelle weg.
- Zuteilung: Einen Großteil der Richtfunkfrequenzen vergibt die Bundesnetzagentur Strecke für Strecke auf Antrag; dafür fallen einmalige Gebühren und jährliche Frequenznutzungsbeiträge an. Daneben gibt es einige allgemein zugeteilte Bereiche, die ohne Einzelantrag genutzt werden dürfen. Dort teilen sich allerdings alle Funkstrecken der Umgebung dasselbe Spektrum, was eine Strecke anfälliger für fremde Störsignale machen kann (Stand: Oktober 2026).
Daraus ergibt sich auch die Kostenlogik. Den größten Teil machen Planung, Geräte und Montage aus, unter Umständen einschließlich eines Masts. Eine monatliche Leitungsmiete an einen Anbieter fällt für die Strecke selbst nicht an. Laufend kommen je nach Frequenzbereich die Beiträge an die Bundesnetzagentur hinzu, außerdem Wartung und Überwachung.
Eine Funkstrecke über das Bahngelände
Angenommen, ein Baustoffhandel mit fünfundzwanzig Beschäftigten hat sein Bürogebäude auf der einen Seite einer Bahnlinie, das Waagehaus und die Lagerhalle rund dreihundert Meter entfernt auf der anderen. Der Rechner im Waagehaus hängt bisher an einem Mobilfunkrouter, und die Wiegescheine werden abends gesammelt übertragen. Ein Kabel unter den Gleisen hindurch würde Tiefbau und die Zustimmung des Bahnbetreibers erfordern.
Eine Richtfunkstrecke vom Bürodach zu einem Mast am Waagehaus macht das Lagergelände zum Teil des Firmennetzes. Der Waage-Rechner arbeitet nun direkt mit den Daten im Büro, und die Kamera an der Einfahrt speichert auf den Rekorder in der Verwaltung. In der Halle verteilt ein Access Point das Netz an die Handscanner. Wo er hängen muss, damit auch die hinteren Regalreihen Empfang haben, ermittelt eine WLAN-Ausleuchtung. Der Mobilfunkrouter bleibt als Reserve angeschlossen, falls die Funkstrecke einmal ausfällt.
Richtfunk als zweiter Weg und seine Grenzen
Richtfunk muss nicht die einzige Verbindung sein. Als Ausweichweg neben einem Glasfaseranschluss läuft die Strecke durch die Luft und damit unabhängig vom Erdkabel. In einer Standortvernetzung kann sie zwei nahe Standorte direkt verbinden; SD-WAN verteilt den Verkehr dann nach Regeln auf Funkstrecke und Kabel.
Grenzen setzen vor allem Gelände, Wetter und Rechtslage. Ohne freie Sicht gibt es keine Strecke, allenfalls über einen Zwischenpunkt, der beide Seiten sieht. Starker Niederschlag kann bei hohen Frequenzen die Datenrate drücken, wenn bei der Planung zu wenig Reserve eingerechnet wurde. Bei gemieteten Räumen ist für Antennen auf Dach oder Fassade die Zustimmung der Eigentümerseite nötig, und für einen freistehenden Mast kann je nach Landesbaurecht eine Genehmigung nötig sein.
Wie ProNet unterstützt
Wir planen und bauen Richtfunkstrecken für Unternehmen, Gemeinden und Versorger. Dazu gehören der Termin vor Ort, die Prüfung der Machbarkeit, die Berechnung von Datenrate und Verfügbarkeit sowie die Klärung der Frequenz. Kabel, Antennen, Halterungen und bei Bedarf Masten montieren wir ebenfalls. Wie wir eine Strecke von der ersten Einschätzung bis zur Inbetriebnahme umsetzen, beschreibt unsere Seite Richtfunk für Unternehmen.