Glasfaseranschluss einfach erklärt
In einer Glasfaser reisen Daten als Lichtimpulse. Das Licht verliert auf langen Strecken wenig an Stärke, und elektromagnetische Störungen aus der Umgebung beeinflussen es nicht. Anschlüsse über die Telefonleitung oder das Fernsehkabel nutzen dagegen zumindest auf dem letzten Stück Kupfer. Wie viel dort ankommt, hängt bei DSL unter anderem von der Entfernung zum nächsten Verteilerkasten ab.
Unter dem Wort „Glasfaser“ werden in Angeboten und im Alltag unterschiedliche Ausbaustufen verstanden:
- FTTC (Fiber to the Curb): Die Faser endet im grauen Verteilerkasten am Straßenrand. Bis ins Gebäude läuft weiter Kupfer. Ein Glasfaseranschluss im engeren Sinn ist das nicht.
- FTTB (Fiber to the Building): Die Faser reicht bis in den Keller oder Technikraum. Für den Rest des Weges sorgt die Verkabelung im Gebäude.
- FTTH (Fiber to the Home): Die Faser führt bis in die genutzten Büro- oder Betriebsräume. Erst diese Form schöpft die Möglichkeiten der Technik aus.
Das Telekommunikationsgesetz arbeitet mit dem weiter gefassten Begriff „Netz mit sehr hoher Kapazität“ (§ 3 Nr. 33 TKG). Dazu zählt ein Netz, das mindestens bis zum Verteilerpunkt am Ort der Nutzung aus Glasfaser besteht. Ebenso erfasst ist ein anderes Netz, das zu Spitzenzeiten Vergleichbares leistet, etwa bei Bandbreite, Ausfallsicherheit und Verzögerung.
Vom Verteiler bis zum Arbeitsplatz
Damit aus einer Faser in der Straße ein nutzbarer Anschluss wird, sind mehrere Abschnitte nötig:
- Hausanschluss: Ein Erdkabel führt die Faser vom Verteiler in der Straße bis zum Übergabepunkt im Gebäude. Dafür sind teils Erdarbeiten auf dem Grundstück nötig, denen die Eigentümerin oder der Eigentümer zustimmen muss.
- Weg durchs Gebäude: Bei FTTB kann ab dem Keller die vorhandene Kupferverkabelung übernehmen. Die Bandbreite in der Etage hängt dann von dieser Strecke ab. Bei FTTH läuft die Faser durch den Steigschacht bis in die Mieteinheit.
- Abschlussgerät: Am Ende der Faser wandelt ein Glasfasermodem, auch ONT genannt, das Lichtsignal in ein Netzwerksignal um. Dahinter folgen Router und Firewall.
- Telefonie: Mit All-IP ist auch das Telefonieren auf das Internetprotokoll umgezogen. Gespräche laufen als VoIP über die Datenleitung, sei es per SIP-Trunk für die eigene Anlage oder für eine Cloud-Telefonanlage.
Je nach Netz und Angebot unterscheidet sich außerdem, ob Sie sich die Faser mit anderen teilen. In vielen Glasfasernetzen teilen sich mehrere Anschlüsse eine Faser bis zu einem passiven Verteiler, und ihre Kapazität wird unter den angeschlossenen Haushalten und Betrieben aufgeteilt. Für Geschäftskunden gibt es bei manchen Anbietern auch Anschlüsse mit eigener Faser und vertraglich zugesicherter Bandbreite. Fragen Sie bei Angeboten nach, welche Variante gemeint ist.
Glasfaseranschluss im Betrieb: mehr als Bandbreite
Ob Glasfaser an Ihrer Adresse verfügbar ist, hängt vom Ausbau in der Straße ab. In manchen Gewerbegebieten liegt die Faser schon, in anderen lässt sie sich gegen eine Beteiligung an den Baukosten verlegen. Zwischen Auftrag und Freischaltung kann wegen Tiefbau und Genehmigungen einige Zeit vergehen. Vor einem Umzug oder einem Anbau gehört die Anschlussfrage deshalb früh auf die Liste.
Für den Geschäftsbetrieb zählen neben der beworbenen Bandbreite weitere Merkmale: genug Upload für Datensicherungen außer Haus und feste IP-Adressen für Fernzugriffe. Hinzu kommen vertragliche Zusagen zur Entstörung, festgehalten in einem Service Level Agreement. Auch eine Faser im Boden kann bei Bauarbeiten beschädigt werden. Als zweiter Weg kommen Mobilfunk oder Richtfunk infrage; mit SD-WAN lässt sich steuern, welche Anwendungen ihn nutzen.
Glasfaser im Keller, Kupfer in der Etage
Angenommen, ein Büro für Landschaftsarchitektur mit zehn Mitarbeitenden sitzt im zweiten Obergeschoss eines älteren Geschäftshauses. Der Eigentümer hat das Haus an das Glasfasernetz anschließen lassen, doch die Faser endet im Keller. Von dort führen die alten Telefonleitungen in die Etagen. Gebucht ist ein Anschluss mit hoher Bandbreite, am Arbeitsplatz kommt aber nur ein Teil davon an. Große Planunterlagen und Drohnenaufnahmen brauchen beim Hochladen lange.
Die Ursache liegt nicht an der gebuchten Bandbreite, sondern im Gebäude: Es handelt sich um FTTB, und die Kupferstrecke vom Keller bis zur Etage begrenzt die Geschwindigkeit. Das Büro spricht mit dem Eigentümer, der eine Faser durch den Steigschacht bis in die Mieteinheit ziehen lässt. Danach steht das Glasfasermodem im Technikschrank des Büros, und aus FTTB ist FTTH geworden. Im selben Zug wird geprüft, ob Switch und Netzwerkkabel im Büro die höhere Geschwindigkeit auch an die Arbeitsplätze weitergeben.
Das Beispiel zeigt: Wer neue Räume anmietet, sollte nicht nur fragen, ob Glasfaser im Haus liegt, sondern auch, wie weit sie reicht.
Wie ProNet unterstützt
ProNet ist kein Netzbetreiber. Wir klären mit Ihnen, welche Anschlussart, welche Bandbreite und welcher Ausweichweg zu Ihrem Betrieb passen, vermitteln passende Anschlüsse und übernehmen am neuen Anschluss die Einrichtung von Router, Firewall und Telefonie. Unser Vorgehen von der Bedarfsklärung bis zum Schalttag finden Sie unter Internetanbindung für Unternehmen. Wie der Anschluss mit Verkabelung, Switches und WLAN im Gebäude zusammenspielt, zeigt unser Bereich Netzwerktechnik für Unternehmen.