KI einfach erklärt
Herkömmliche Software arbeitet ab, was Menschen vorher als Regel festgelegt haben. Ein KI-System leitet sein Verhalten dagegen aus Beispielen ab. Im Training erkennt es Muster in großen Datenmengen und wendet sie danach auf neue Eingaben an. Darum sind KI-Ergebnisse Wahrscheinlichkeitsaussagen: Sie können danebenliegen und fallen bei gleicher Frage nicht zwingend gleich aus.
Auch das europäische Recht beschreibt KI über diese Eigenschaft. Nach Art. 3 Nr. 1 der KI-Verordnung ist ein KI-System maschinengestützt, arbeitet mit unterschiedlich viel Eigenständigkeit und kann sich nach dem Start weiter anpassen. Aus den Eingaben, die es erhält, leitet es ab, wie es Ausgaben erzeugt: Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen. Gerade dieses Ableiten unterscheidet ein KI-System von Software, die nur fest programmierte Wenn-dann-Regeln abarbeitet.
Drei Formen von KI im Arbeitsalltag
Hinter dem Kürzel stecken sehr unterschiedliche Werkzeuge. Für Unternehmen lohnt es sich, drei Formen auseinanderzuhalten:
- Erkennen und Einordnen: Das System ordnet Eingaben einer Klasse zu. Ein Spamfilter trennt erwünschte von unerwünschter Post, eine Kamera an der Fertigungslinie meldet beschädigte Teile, eine Spracherkennung schreibt Sprachnachrichten mit.
- Erzeugen: Generative KI schreibt neue Texte, fasst Unterlagen zusammen oder entwirft Bilder. Grundlage für Text ist meist ein Large Language Model. Darauf bauen Schreibassistenten, ein Chatbot auf der Website oder Microsoft 365 Copilot auf.
- Handeln: Ein KI-Agent bekommt ein Ziel und arbeitet es in mehreren Schritten ab. Dabei ruft er selbst Werkzeuge auf, etwa einen Kalender oder eine Datenbank.
Nicht alles, was automatisch abläuft, ist KI. Eine Workflow-Automatisierung, die ein Formular nach festen Regeln weiterleitet, kommt ohne sie aus. Für viele Routineaufgaben ist eine solche Regel die einfachere und besser prüfbare Lösung.
Ein Name, zwei sehr verschiedene Projekte
Angenommen, eine Kunststoffspritzgießerei mit 50 Beschäftigten plant zwei Vorhaben, die beide als „KI-Projekt“ auf der Liste stehen. Im ersten Fall soll eine Kamera an der Maschine Teile mit Graten oder Lunkern aussortieren. Das Modell lernt aus einigen Tausend Fotos, die erfahrene Prüferinnen und Prüfer vorher als gut oder fehlerhaft markiert haben. Personenbezogene Daten fallen nicht an. Geprüft wird über Stichproben: Wie viele Fehlteile rutschen durch, wie viele gute Teile landen zu Unrecht im Ausschuss?
Im zweiten Fall soll ein Schreibassistent Antworten auf Reklamationen entwerfen. Hier geht es um Kundennamen, Lieferscheine und Zusagen gegenüber Abnehmern. Die Fragen lauten deshalb anders: Auf welchen Servern verarbeitet der Anbieter die Eingaben, und nutzt er sie zum Training? Und wer liest jeden Entwurf, bevor er hinausgeht? Beide Vorhaben heißen KI, verlangen aber eine völlig andere Vorbereitung.
Vier Fragen vor dem ersten KI-Werkzeug
Ob sich ein Werkzeug lohnt, hängt nicht an der Technik allein. Klären Sie vorab diese Punkte:
- Aufgabe: Welche Arbeit soll leichter werden, und woran messen Sie das? Ohne Ausgangswert bleibt der Nutzen eine Vermutung.
- Daten: Was wird eingegeben, und wo landet es? Arbeitet ein externer Dienst mit Kunden- oder Personaldaten, gilt die DSGVO, und mit dem Anbieter ist in der Regel ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung zu schließen. Prüfen Sie außerdem, ob der Anbieter Ihre Eingaben weiterverwendet.
- Kontrolle: Wer prüft Ergebnisse auf Richtigkeit, bevor sie verwendet werden? Bei Entscheidungen über Menschen genügt es nach Auffassung der Datenschutzkonferenz nicht, wenn jemand einen KI-Vorschlag nur abzeichnet; die Person braucht echten Entscheidungsspielraum.
- Kompetenz: Betriebe, die KI-Systeme beruflich nutzen, müssen nach Art. 4 der KI-Verordnung Maßnahmen ergreifen, damit ihr Personal die nötige KI-Kompetenz aufbauen kann (Stand: Oktober 2026). Wie das geschieht, bestimmt der Betrieb; eine Prüfung oder einen förmlichen Nachweis verlangt die Verordnung nicht.
Diese Übersicht ist keine Rechtsberatung. Welche Einsatzfelder nach Abteilungen sich anbieten und wie ein erster Versuch aufgebaut sein kann, beschreibt unser Beitrag KI im Mittelstand.
Wie ProNet unterstützt
Ausgangspunkt ist für uns eine konkrete Aufgabe aus Ihrem Alltag. Erst danach klären wir, ob KI, eine einfache Regel oder beides weiterhilft. In der KI-Beratung nehmen wir geeignete Abläufe auf, ordnen sie nach Nutzen und Aufwand und begleiten ein Pilotprojekt mit vorher festgelegter Messgröße. Datenschutzfragen und die KI-Kompetenz Ihres Teams beziehen wir dabei ein. Welche Themen von Assistenten über Workflows bis zu Schnittstellen dazugehören, zeigt der Bereich KI und Automatisierung.