DECT einfach erklärt
Ein schnurloses Telefon besteht aus zwei Teilen: dem Mobilteil in der Hand und einer Basisstation an der Wand oder auf dem Tisch. Zwischen beiden überträgt DECT die Sprache digital per Funk. Die Basisstation ist ihrerseits mit der Telefonanlage verbunden, früher über eine analoge oder ISDN-Leitung, bei aktuellen Systemen über das Netzwerkkabel.
In Europa funkt DECT üblicherweise im Bereich von 1880 bis 1900 MHz. Laut Norm ist DECT für lizenzfreies Spektrum gedacht, und benachbarte Anlagen müssen nicht miteinander abgestimmt werden. Vor jeder Verbindung sucht das System selbst einen freien Kanal, auch wenn im Nachbarbüro eine zweite Anlage funkt. Mit dem WLAN, das bei 2,4, 5 oder 6 GHz arbeitet, teilt sich DECT keine Kanäle.
Die Norm nennt Reichweiten von bis zu einigen hundert Metern. In Gebäuden entscheiden allerdings Wände, Decken, Metallregale und Maschinen darüber, wie weit ein Signal tatsächlich trägt.
Vom Einzelgerät zum Mehrzellensystem
Im kleinen Büro genügt eine Basisstation. Für Lagerhallen, Werkstätten oder Praxen über mehrere Etagen arbeiten mehrere Basen als gemeinsames System, und jede versorgt eine eigene Funkzelle. Geht jemand mit dem Mobilteil durch das Gebäude, reicht das System das laufende Gespräch an die nächste Basis weiter. Dieser Wechsel heißt Handover.
Damit das Gespräch dabei nicht abreißt, müssen die Basen zeitlich aufeinander abgestimmt arbeiten, je nach System über Funk oder über das Datennetz. Wie viele Basen nötig sind und wo sie hängen, zeigt eine Funkmessung vor Ort. Das Vorgehen ähnelt einer WLAN-Ausleuchtung: Eine Testbasis wird an möglichen Montagepunkten aufgestellt, und mit einem Mobilteil wird geprüft, bis wohin der Empfang reicht. Überlappen sich die Zellen ein Stück, bleibt Raum für die Übergabe.
DECT an IP- und Cloud-Telefonanlagen
Aktuelle DECT-Systeme hängen am Datennetz. Ihre Basisstationen werden an einen Switch angeschlossen, der sie auf Wunsch über das Netzwerkkabel auch mit Strom versorgt (Power over Ethernet). Gegenüber der Telefonanlage erscheinen die Mobilteile als eigene Nebenstellen. Technisch melden sie sich in der Regel per SIP an, also mit demselben Protokoll, das Tischtelefone für VoIP nutzen.
Das klappt mit einer IP-Telefonanlage im eigenen Serverraum ebenso wie mit einer Cloud-Telefonanlage, vorausgesetzt, Anlage oder Dienst unterstützen das gewählte DECT-System. Welche Kombinationen erprobt sind, dokumentieren die Hersteller. Fragen Sie vor dem Kauf danach.
Basen und Mobilteile unterschiedlicher Hersteller verständigen sich über ein gemeinsames Grundprofil namens GAP (Generic Access Profile). Es deckt allerdings nur einfache Funktionen wie Anrufen und Annehmen ab. Komfortfunktionen wie das Firmentelefonbuch, die Anzeige, ob Kolleginnen und Kollegen gerade telefonieren, oder die Übergabe zwischen mehreren Basen setzen in vielen Fällen Geräte aus einer Systemfamilie voraus.
Wann DECT die passende Wahl ist
Schnurlose Telefone sind für Mitarbeitende gedacht, die im Gebäude unterwegs sind und trotzdem erreichbar bleiben sollen: im Lager, in der Werkstatt, am Empfang einer Praxis oder bei der Haustechnik. Für raue Umgebungen gibt es robuste Modelle, die gegen Staub und Spritzwasser geschützt sind.
Es gibt Alternativen. Ein Smartphone mit der App der Telefonanlage macht die Durchwahl auch außer Haus erreichbar, und WLAN-Telefone nutzen das vorhandene Funknetz. Für DECT spricht vor allem, dass die Sprache ein eigenes, vom WLAN getrenntes Funknetz bekommt und Ihr Team ein schlichtes Telefon ohne Apps in der Hand hält.
Für den Schutz der Gespräche sieht der Standard eine Anmeldung der Geräte und Verschlüsselung vor, inzwischen in einer zweiten Generation der Verfahren. Ob ein Gerät die neueren Verfahren beherrscht, hängt von Modell und Baujahr ab. Mobilteile, die jahrelang in der Schublade lagen, sollten Sie deshalb prüfen lassen, bevor Sie sie wieder einsetzen.
Funkzellen für Gewächshaus und Verkaufsraum
Angenommen, eine Gärtnerei mit Verkaufsraum, drei Gewächshäusern und einem Büro im Nachbargebäude stellt auf eine neue Anlage um. Bisher stand eine einzelne schnurlose Basis im Büro. Im hinteren Gewächshaus brachen Gespräche ab, und Anrufe von Kundschaft liefen auf den Anrufbeantworter, während das Team draußen arbeitete.
Nach einer Funkmessung kommen zwei Basen hinzu, eine davon unter dem Dach des Verkaufsraums. Die Mitarbeitenden tragen ihre Mobilteile bei sich, nehmen Gespräche zwischen den Pflanztischen an und verbinden ins Büro weiter, ohne zurückzulaufen. Weil Glas, feuchte Luft und Metallgestelle das Signal dämpfen, bestimmt die Messung die Montagepunkte und nicht der Grundriss allein.
Wie ProNet unterstützt
Schnurlose Telefone planen wir als Teil Ihrer Telefonie mit. Wir empfehlen DECT-Systeme, die zu Ihrer Anlage passen, legen mit Ihnen die Standorte der Basisstationen fest und binden die Mobilteile als Nebenstellen ein. Ob sich vorhandene Geräte weiterverwenden lassen, klären wir vorab. Wie Endgeräte, Netzwerk und Anlage bei uns zusammenkommen, zeigt unsere Seite zur Telefonanlage für Unternehmen. Steht die Anlage bei Ihnen im Haus, finden Sie die Einzelheiten unter IP-Telefonanlage für Unternehmen.