VDI einfach erklärt
Bei einer VDI wandert der Arbeitsplatzrechner in den Serverraum – nicht als Gerät, sondern als virtuelle Maschine. Auf leistungsstarken Servern laufen viele Windows-Desktops nebeneinander, jeder mit eigenem Betriebssystem, eigenen Programmen und einem zugewiesenen Anteil am Arbeitsspeicher. Möglich macht das die Virtualisierung: Eine Software teilt die Hardware der Server auf die einzelnen Desktops auf und hält diese voneinander getrennt.
Am Schreibtisch bleibt ein Zugangsgerät, über das Bild, Ton und Eingaben laufen. Für die Person davor wirkt das wie ein eigener PC, den sie auch von einem anderen Gerät aus wieder öffnen kann. Praktisch bedeutet die Trennung: Braucht eine Person ein zusätzliches Programm oder eine besondere Einstellung, bleibt das auf ihren Desktop beschränkt. Auf einem Terminalserver dagegen wirkt jede Programmänderung auf alle Sitzungen, weil sie dasselbe Serverbetriebssystem nutzen.
Woraus eine VDI besteht
Das Wort „Infrastructure“ im Namen ist wörtlich gemeint: Zu einer VDI gehört mehr als ein Server mit virtuellen Maschinen. Im Baustein SYS.2.6 „Virtual Desktop Infrastructure“ nennt das BSI drei zentrale Komponenten (IT-Grundschutz, Edition 2023):
- Zugang: Eine Komponente prüft bei der Anmeldung, wer sich verbindet und welche Art von Desktop diese Person nutzen darf.
- Steuerung: Eine zweite sucht den passenden virtuellen Desktop heraus und verbindet ihn mit dem Gerät am Platz.
- Verwaltung: Eine dritte hält Regeln, Vorlagen und Ressourcen zusammen, zum Beispiel welche Gruppe wie viel Arbeitsspeicher erhält.
Darunter liegen die Virtualisierungsserver und ein gemeinsamer Speicher, daneben Dienste wie etwa die Benutzerverwaltung im Active Directory.
Bei den Desktops selbst gibt es zwei Grundformen. Ein persönlicher Desktop gehört dauerhaft einer Person und behält ihre Installationen und Einstellungen. Ein gepoolter Desktop ist austauschbar: Wer sich anmeldet, bekommt einen freien aus einer Gruppe identisch eingerichteter Desktops, der sich nach der Nutzung wieder in den Ausgangszustand versetzen lässt.
Zwölf Kursplätze, jede Woche neu belegt
Angenommen, ein Weiterbildungsanbieter mit 25 Beschäftigten unterhält zwei Kursräume mit je zwölf Plätzen. Jede Woche kommen neue Teilnehmende, und montags sollen alle Plätze wieder im gleichen Zustand sein. Früher hieß das am Freitagnachmittag: Rechner zurücksetzen, Programme kontrollieren, liegen gebliebene Dateien löschen.
Mit einer VDI arbeiten die Kursplätze auf gepoolten Desktops, die so eingerichtet sind, dass sie nach der Abmeldung zurückgesetzt werden. Was Teilnehmende auf dem Desktop abgelegt haben, ist beim nächsten Kurs nicht mehr da. Braucht ein neues Seminar ein zusätzliches Programm, wird es einmal in die Vorlage des Pools aufgenommen, und die Kursdesktops entstehen danach aus dieser Vorlage.
Die Dozentinnen und Dozenten erhalten dagegen persönliche Desktops. Dort bleiben Unterlagen, Lesezeichen und ein Spezialprogramm erhalten, das nur auf einem eigenen Windows läuft. Beide Formen laufen auf derselben Plattform und werden über dieselbe Verwaltung gesteuert.
Wann sich eine VDI für Unternehmen lohnt
Eine VDI spielt ihre Stärken aus, wenn Arbeitsplätze unterschiedlich eingerichtet sein müssen, Programme ein eigenes Windows verlangen oder Umgebungen sauber getrennt bleiben sollen. Dafür braucht sie mehr Rechenleistung und Speicher, denn jeder Desktop bringt ein komplettes Betriebssystem mit. Das BSI nennt als Risiko, dass zu viele virtuelle Desktops auf einem Server landen und dann um Ressourcen konkurrieren; die Leistung kann dann unvorhersehbar einbrechen. Der umgekehrte Fehler kostet Geld: Personen mit geringem Bedarf erhalten großzügig ausgestattete Desktops. Planen Sie Reserven deshalb bewusst ein und ordnen Sie die Ausstattung nach Tätigkeiten zu.
Für Windows auf virtuellen Desktops gelten eigene Lizenzbedingungen von Microsoft, die von Plattform und Vertrag abhängen. Ob die Plattform im eigenen Haus steht oder als Desktop as a Service gemietet wird, ist eine zweite, davon getrennte Entscheidung. Wie sich die VDI gegen die schlankere Alternative schlägt, zeigt der Vergleich Terminalserver vs. VDI. Welche Zugangswege für Mitarbeitende zu Hause infrage kommen, beschreibt der Beitrag Homeoffice sicher anbinden.
Wie ProNet unterstützt
Wir planen virtuelle Desktops nach Arbeitsgruppen, erstellen und pflegen die Vorlagen und richten Anmeldung, Zugriffsschutz und Datensicherung ein. Die Plattform kann auf Ihrer eigenen Hardware, in Microsoft Azure oder bei einem anderen Rechenzentrumsbetreiber laufen. Die Vor- und Nachteile der Standorte wägen wir mit Ihnen ab, die Wahl liegt bei Ihnen. Was wir dabei übernehmen, lesen Sie auf der Seite Virtueller Desktop: Windows-Arbeitsplätze aus der Cloud.